Kammerjäger Thomas Krabel bei der Arbeit auf die Finger geschautDie Südwest Presse hat Kammerjäger Thomas Krabel bei der Arbeit auf die Finger geschaut und hat in ihrem Artikel von 06. September 2016 berichtet. Lesen Sie den Zeitungsartikel online in der Südwest Presse.

Hier die ungekürzte Reportage:

Denk wie eine Schabe

Bianca Maria Frieß, September 2016

Zwischen Unverständnis und Unwissenheit:

Als Kammerjäger bekämpft Thomas Krabel Schädlinge

 

Auf dem Wohnzimmerregal vom Thomas Krabel stehen Ratten-Skelette und ausgestopfte Mäuse. In der Schublade sammelt er verschiedene Kakerlaken, fein säuberlich in Reihen sortiert. Eklig findet er das nicht, im Gegenteil. Wenn er von den Tieren spricht, merkt man ihm die Begeisterung für das Thema an. Der 45-Jährige sammelt die Tiere aus Eigeninteresse - und zu Anschauungszwecken. Einige davon hat er selbst gefangen, zum Beispiel eine Bisamratte im unteren Regal. Von der Größe her erinnert das ausgestopfte Tier eher an ein Kaninchen. Er nimmt ein kleineres Rattenskelett in die Hand und drückt die Rippen ein wenig zusammen. „Das Skelett hat eine Besonderheit“, erklärt er: „Es ist extrem biegsam: Da wo der Schädel durchpasst, passt auch der Rest der Ratte durch.“Kammerjäger Thomas Krabel


Und das kann ihm das Leben schwer machen: Thomas Krabel arbeitet zusammen mit seinem Betrieb „Evania Inweltschutz“ als selbstständiger Schädlingsbekämpfer – oder als Kammerjäger, wie der Beruf früher genannt wurde. Ein Beruf, der von Außenstehenden wenig angesehen ist: Oft reagieren die Menschen mit Ekel. „Das Höchste der Gefühle ist, dass man den Beruf nicht weiter kommentiert“, sagt Krabel. Viele Menschen schämen sich auch dafür, einen Kammerjäger zu engagieren: Werbung am Auto ist unerwünscht, manchmal darf Krabel nicht einmal vor der jeweiligen Haustüre parken.

Einer, der kein Problem mit dem Einsatz hat, ist der heutige Kunde: Bei Martin Mysliwitz haben sich Wespen im Rolladenkasten über der Terrassentür eingenistet. „Wespen an sich sind ja nicht schlimm, aber auf der Terrasse brauche ich sie nicht“, sagt Mysliwitz und lacht. Man hört und sieht nichts von dem Nest. Nur ab und an klettert eine einsame Wespe in den Rolladenkasten. Vorbereitung zur WespenbekämpfungWespenbekämpfung im RolladenkastenKrabel packt eine kleine Taschenlampe aus und leuchtet hinein: „Ja, da ist es“, sagt er: „es hat die Größe eines Tennisballs.“ Lässt man die Tiere weiter dort wohnen, können es innerhalb von ein paar Monaten bis zu 5000 Wespen werden – und die können aggressiv werden. Besonders gegen Herbst, wenn die Wespen nicht mehr mit dem Nestbau beschäftigt sind.

Krabel packt ein spezielles Wespenspray aus seinem Koffer. Er wirft sich eine Schutzkleidung über – mit einem Netz vor dem Gesicht, ähnlich wie der Schleier eines Vorbereitung zur WespenbekämpfungImkers. Dann steigWespenbekämpfung im Rolladenkastent er auf eine kleine Leiter und sprüht ein paar Mal in den Rolladenkasten. Plötzlich summt es laut, dann ist schlagartig nichts mehr zu hören. „Ich denke, das war ein Volltreffen“, ruft der Schädlingsbekämpfer. Einen Moment später fliegen wieder ein paar Wespen vor dem Nest herum – das sind die Tiere, die gerade noch unterwegs waren. Rein gehen sie aber nicht, denn „da riecht es ungewöhnlich“, erklärt Krabel. In zwei Minuten hat er das komplette Nest abgetötet.

„Mir war von Anfang an klar, dass da einer her muss, der Ahnung hat“, sagt Kunde Mysliwitz. Das ist längst nicht immer so. Krabel hat oft mit Kunden zu kämpfen, die selbst zu chemischen Mitteln greifen – im Supermarkt und Internet sind viele Insektenmittel frei erhältlich. Das geht aber oft schief. „Dass das Zeug nicht funktioniert, liegt meistens am Anwender“, mahnt Krabel: „Unwissenheit ist das Stichwort.“

Die Erfahrung hat auch seine nächste Kundin gemacht. Ihren Namen will sie nicht in der Zeitung lesen – zu groß ist die Angst, dass jemand von dem Schädlingsbefall erfährt. In ihrer Wohnung in Laupheim haben sich wohl Motten eingenistet, zumindest schwirren unzählige davon durch die Küche. Von der Decke hängt eine Klebefolie voll toter Motte. Die Kundin hat schon auf eigene Faust etwas gegen den Befall unternommen: Im Internet hat sie Schlupfwespen bestellt. Diese Insekten haben mit Wespen eigentlich nichts zu tun. Es sind winzige Tiere, die ihre Eier in die Eier der Schädlinge legen. So werden die Motteneier abgetötet. Gibt es keine Motteneiner mehr, verschwinden auch die Schlupfwespen. So das Prinzip – funktioniert hat das in der Laupheimer Wohnung nicht.

Jetzt hat sie den Fachmann gerufen. Krabel zieht als erstes den großen Apothekerschrank auf. Mit einer Taschenlampe leuchtet er in jeden Winkel. Plötzlich zieht er eine Nudelpackung heraus, darauf sind Mottengespinste zu sehen. „Erstmal sollten Sie alles gründlich sauber machen“, rät der Kammerjäger. Die Kundin nickt. Wirklich schmutzig ist es in der kleinen Küche aber nicht. Ein paar Brösel am Schrankboden, eine Packung Knäckebrot liegt herum – ein ganz normaler Haushalt. „Schädlingsbefall hat auch nichts mit mangelnder Sauberkeit zu tun, das kann jeden treffen“, erklärt Krabel.

Schädlingsbestimmung Thomas KrabelEr zieht nacheinander alle Schubladen auf, darin sind Töpfe, Pfannen und Teller. Wonach er sucht, weiß er genau: Zum Beispiel ein Handrührgerät – in dem Gebläse setzt sich Mehl ab, dort nisten sich die Motten gerne ein. Aber Krabel wird nicht fündig. Nur einen Korb beäugt er skeptisch. „Mit dem stimmt was nicht, da sitzen wahrscheinlich Motten drin“, sagt er. Die Kundin nimmt ihn entgegen: „Ich schmeiß ihn weg.“ Schaukasten Schaben

Die Schlupfwespen hält Krabel trotz allem für die beste Lösung, diesmal aber richtig. Beim ersten Mal waren zum Beispiel die Abstände zu lang, in denen die Tiere in der Küche platziert wurden. 240 Euro kostet Krabels Service, inklusive Diagnose. „Das ist ja ziemlich günstig, da hab ich im Internet schon mehr bezahlt“, staunt die Kundin. Wie viel es kostet, ist ihr eigentlich auch egal: „Hauptsache, ich werde die endlich los“, sagt sie. Ein solches Verständnis bringen längst nicht alle Kunden auf. Viele fühlen sich abgezockt – schließlich haben sie die Schädlinge nicht bestellt. Wieso sollten sie dann dafür zahlen, sie wieder loszuwerden? Jeden Tag ficht Krabel einen Kampf gegen Unverständnis und Unwissenheit.

Wie viel er mit seinem Geschäft umsetzt, will er nicht verraten: „Ich kann aber gut davon leben“, erzählt er. Die privaten Haushalte machen nur einen kleinen Anteil von Krabels Geschäften aus. Meistens ist er bei Geschäftskunden unterwegs, er betreibt zum Beispiel Schädlingsmonitoring in Supermärkten – er beobachtet also vorbeugend, ob sich irgendwo Schädlinge einnisten. Auch heute steht ein solches Monitoring auf dem Programm: In einem Geschäft in Laupheim, den Namen will der Besitzer nicht in der Zeitung lesen. Alle vier Wochen begeht Krabel den Supermarkt, denn dort kann viel passieren. Ungefähr zwei Mal in der Woche kommt neue Ware an – und mit ihr möglicherweise Mäuse oder Kakerlaken.

Schädlingsbekämpfer Thomas Krabel kontrolliert eine Schadnager-KöderboxKrabel bewegt sich im Hintergrund durch den Supermarkt. Fast unbemerkt geht er an Kunden und Mitarbeitern vorbei. Ganz wie die Tiere, die er sucht. „Denk wie eine Schabe“, ist sein Motto: „ Dann kann man sich da entsprechend reinfühlen.“ Läuft er durch den Laden, sieht er sich automatisch um, späht in jede Ecke. Im Hof, dort wo die Lastwagen die Ware anliefern, steht eine kleine schwarze Box. Krabel öffnet den Kasten, darin ist ein rosa Nagerköder. „Gäbe es hier Mäuse, würde man das an den Nagespuren erkennen“, erklärt er. Auch unter dem Kühlregal, von den Kunden unbemerkt, steht ein solcher Nagerköder.

Schließlich wirft der Kammerjäger sich einen weissen Mantel über, denn es geht hinter die Metzgertheke. Ein wenig verwundert beobachtet eine Kundin seine Arbeit, sie kauft gerade Steaks und Wurst. An der Wand ist eine UV-Falle montiert. Krabel nimmt den Deckel ab, auf eine Klebefläche kommen unzählige tote Fliegen zum Vorschein – kleine, aber auch einige dickere Insekten. „Die Fläche dient dazu, die Insekten einzufangen“, erklärt Krabel. Sonst würden sie ja auf dem Fleisch herumschwirren. Fällt etwas Ungewöhnliches auf, könnte er die Tiere auch auszählen. Wirklich oft deckt er aber keinen richtigen Befall auf. „Wenn es dumm läuft, aber bei allen Kunden gleichzeitig – weil das Zentrallager ein Problem hat“, sagt er.

Ekel empfindet er nicht bei seinen Aufgaben. Was ihn aber immer wieder verwundert ist, mit welcher Gelassenheit Menschen Ungeziefer in ihrer Umgebung ertragen. Sein „krassestes Erlebnis“ waren ein halbes Dutzend Mäuse in einer Küchenschublade. „Da frag ich mich: Wie können die Menschen mit so was leben?“, sagt er. Nach einer kurzen Pause fügt Krabel hinzu: „Für uns war das natürlich ein Highlight – wir finden das cool.“

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